Mit den Händen reden

ASF-Freiwilliger Jan-Oliver Distler in Norwegen

ASF-Freiwilliger Jan-Oliver Distler in Norwegen

Eine Zweisprachigkeit der besonderen Art erlebt der ASF-Freiwillige Jan Oliver Distler in Norwegen in einem Projekt für taubstumme und schwerhörige Menschen.

Seit knapp zwei Monaten arbeite ich nun im Conrad Svendsen Senter (CSS) in Nordstrand, Oslo. CSS ist eine Einrichtung, die taubstummen und schwerhörigen Menschen, die zusätzlich in verschiedensten Ausprägungen geistig und körperlich behindert sind, ein Wohn- und Arbeitsangebot  bietet. Da alle Bewohner_innen und viele der Mitarbeiter_innen entweder schwerhörig oder taubstumm sind, tritt die norwegische Gebärdensprache gleichwertig neben die gesprochene norwegische Sprache. Mit 60 Bewohner_innen, 16 Tagesklient_innen und fast 300 Mitarbeiter_innen ist ein zweisprachiges Arbeitsumfeld entstanden, in dem man sich nur mit Gebärdensprache sicher sein kann, dass alle einen verstehen.

Jan-Oliver Distler arbeitet als ASF-Freiwilliger in Norwegen.

Eins- zu Eins-Betreuung

Meine Aufgaben als ASF-Freiwilliger waren gerade in der Anfangszeit sehr vielfältig. Ich arbeite in der Abteilung Dag og Arbeid, die das Tages- und Arbeitsangebot für die Bewohner_innen und Tagesklient_innen gestaltet. Ich arbeite zusammen mit den Bewohnern in der Küche. Im Aktivitätsraum wird gebastelt und es werden Versandartikel verpackt. Verschiedene Tourgruppen gehen im Umkreis von Oslo wandern und eine Gruppe von Bewohner_innen und Tagesklient_innen fährt jeden Tag in eine etwas entfernte Holzwerkstatt. Je nach Grad und Art der Behinderung – so wohnen hier zum Beispiel auch autistisch veranlagte Menschen - betreue ich die Bewohner_innen auch den ganzen Tag und helfe ihnen einzeln bei ihren Aufgaben.

Gerade in der Anfangszeit war es natürlich schwer, gleich zwei neue Sprachen und eine neue Art der Kommunikation zu erlernen. Sowohl die Wörter und ihre Bedeutung als auch Tonlautstärke, Tonhöhe und indirekte Intentionen der Lautsprache müssen durch Gestik, Mimik und mit Händen und Füßen dem Gesprächspartner vermittelt werden. Es ist spannend und herausfordernd, einen Zugang zur non-auditiven Kommunikation zu finden und jeden Tag mehr zu lernen.

Blind und taubstumm

Sehr prägend für mich ist die Betreuung eines Mannes, der taubstumm und blind ist. Er wurde taubstumm geboren und ist im Alter erblindet. Andere Mitarbeiter, die schon viele Jahre mit ihm arbeiten, können ohne Einschränkung über viele Dinge mit ihm kommunizieren. Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, wie er an allem und jedem interessiert ist. Bei jedem Mittagessen fragt er, wer alles am Tisch sitzt. Er macht Witze und strahlt eine Lebensfreude aus, die mich umhaut. Solche Erlebnisse habe ich mir vor meinem Freiwilligendienst gewünscht und ich freue mich sehr, noch weitere zehn Monate hier in Norwegen zu arbeiten.

Autor: Jan-Oliver Distler, Jahrgang 1993, kommt aus Saarlouis und arbeitet als ASF-Freiwilliger in Norwegen.

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