Termine| Aktuelles | Digitaler ASF-Salon | 21. April 2021

80 Jahre nach dem Überfall auf Griechenland - Deutschlands Kriegsschuld und Verantwortung

Wann: 21. April, 18 Uhr

Wo: zoom

Welche Rolle spielt die Erinnerung an die deutschen Kriegsverbrechen aktuell in der deutschen und griechischen Gesellschaft? Welche Auswirkungen hat die strikte Weigerung der Bundesregierung, mit Griechenland über Reparationsforderungen zu verhandeln, für das deutsch-griechische Verhältnis? Was können, was müssen wir als Zivilgesellschaft leisten, angesichts einer nicht absehbaren politischen und juristischen Klärung dieser Fragen?

Wir freuen uns auf ein Gespräch mit Hilde Schramm, Mitbegründerin und Vorstandsmitglied des Vereins Respekt für Griechenland, und Aris Radiopoulos, Autor der Studie "Die deutschen Kriegsschulden an Griechenland. Die griechischen Forderungen aus dem I. und dem II. Weltkrieg anhand von Archivdokumenten des griechischen Außenministeriums" (bald in Erscheinung bei Metropol-Verlag).

Der ASF Salon wird als Videokonferenz über Zoom stattfinden.

Zur Anmeldung

 

Anlass und Hintergrund zu diesem ASF-Salon

Vor 80 Jahren, am 6. April 1941, überfiel das nationalsozialistische Deutschland zusammen mit bulgarischen, italienischen und ungarischen Verbündeten das Königreich Griechenland. Bis zu ihrem Abzug 1944 verübten Wehrmacht, SS und Gestapo unzählige Verbrechen an der griechischen Zivilbevölkerung, zerstörten hunderte Dörfer und Gemeinden und plünderte das Land ökonomisch aus. Fast 60.000 Jüdinnen und Juden, etwa 80 % der damaligen jüdischen Bevölkerung Griechenlands, wurden ermordet, die meisten von ihnen in den Vernichtungslagern Auschwitz und Treblinka. Mit geschätzt über 200.000 Toten gehört Griechenland zu den Ländern, die besonders grausam unter der deutschen Besatzung leiden mussten.

Die Besatzungsverbrechen zogen schwerwiegende politische, soziale und ökonomische Folgen nach sich, die bis in die Gegenwart Auswirkungen zeigen. Griechenland ist zwar als Urlaubsland bekannt und beliebt. Die dort verübten Verbrechen sind jedoch ein weißer Fleck im kollektiven Gedächtnis der Deutschen.

Ungeklärte Entschädigungsforderungen belasten bis heute das deutsch-griechische Verhältnis. Im Juni 2019 forderte die griechische Regierung die Bundesregierung in einer Verbalnote zu Verhandlungen über Reparationen auf. Bislang hat jedoch keine Bundesregierung Verantwortung für die Klärung dieser offenen Ansprüche übernommen. Vielmehr sahen alle Bundesregierungen diese Frage als juristisch und politisch abschließend geregelt an, obwohl 2019 ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags bescheinigte, dass die griechischen Zahlungsansprüche völkerrechtlich bis heute nicht eindeutig geregelt seien.

Am 25. März 2021 debattierte der Deutsche Bundestag über zwei Anträge der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE anlässlich des Überfalls auf Griechenland vor 80 Jahren. Auch wenn die Anträge vom Parlament abgelehnt wurden, brachte diese Debatte das Thema erneut in die politische Öffentlichkeit.

Ungeachtet der bislang nicht geklärten politischen und juristischen Fragen engagieren sich seit Jahren Organisationen und Einzelpersonen in der deutschen und griechischen Zivilgesellschaft für eine Anerkennung der deutschen Kriegsschuld und Schulden. Sie gedenken der ermordeten Zivilist*innen, erinnern an den mutigen griechischen Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht und fördern Begegnung und Verständigung zwischen den Menschen beider Länder. Solche Aktivitäten werden auch staatlich gefördert, etwa durch den Deutsch-Griechischen Zukunftsfonds und durch die Einrichtung eines Deutsch-Griechischen Jugendwerks. Es bleibt zu wünschen, dass diese Initiativen und Aktivitäten eine breitere Aufmerksamkeit und Wahrnehmung in der deutschen Gesellschaft erfahren.

ASF in Griechenland

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste organisiert seit Jahren internationale Sommerlager für die Begegnung und Verständigung mit Griechenland.

Ab September 2021 wird eine erste Gruppe von Freiwilligen einen einjährigen Friedensdienst in Griechenland beginnen, unter anderem in den Märtyrergemeinden Kalavryta und Lingiades und bei den jüdischen Gemeinden auf Kreta und in Ioannina.

Auch die Mitarbeit von griechischen Freiwilligen im internationalen Programm in Deutschland soll weiter gefördert werden.

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e. V. auf Instagram Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e. V. auf YouTube