Aktion Sühnezeichen nach der Teilung 1961

Sommerlager der Aktion Sühnezeichen Ost

Im Herbst 1959 scheiterten die letzten Versuche, DDR-Bürger an Einsätzen der ASF in den östlichen Nachbarländer zu beteiligen. Am 13. August 1961 wurde durch den Bau der Berliner Mauer auch die Aktion Sühnezeichen geteilt. So unternahm die Leitung von ASZ (so lautete fortan die Abkürzung für Aktion Sühnezeichen in der DDR) in den darauf folgenden Monaten Anstrengungen, um den Aufruf zur Aktion Sühnezeichen in der DDR umzusetzen.

1962 begann die Sühnezeichen-Arbeit mit dem Aufbau und der Entwicklung von Sommerlagern, in denen Menschen aus verschiedenen Ländern für zwei bis drei Wochen zusammen lebten und arbeiteten. Dieser so bescheidene und beschwerliche Anfang wurde zum Fundament zukünftiger Arbeit. Auf diesem Fundament konnten die Strukturen und Konzeptionen für die Arbeit der Aktion Sühnezeichen in der DDR aufgebaut werden.

Eine der am schwersten zerstörten Städte im Gebiet der DDR war Magdeburg. Auf Initiative von Lothar Kreyssig begannen 1962 zwei Sühnezeichen-Gruppen mit Aufräumungsarbeiten an drei Magdeburger Kirchen.

In Magdeburg begann auch die ökumenische Arbeit der ASZ. Die beiden Sühnezeichen-Lager wurden von dem evangelischen Diakon Christian Schmidt und dem katholischen Vikar Winfried Lawetzky geleitet. Evangelische und katholische Christen arbeiteten und lebten zusammen. Christian Schmidt hat dazu einmal geschrieben: "Sühnezeichen wollte auch einen Neuanfang zwischen den entzweiten Kirchen versuchen und anbieten. Die Magdeburger Lager waren bestimmt durch einen damals noch sehr nahen Bezug zur vorausgegangenen Unrechtszeit des ‚Dritten Reiches' und durch die ökumenische Begegnung. Es gab ökumenische Andachten und vielfältige Begegnungen. Damals war das etwas unerhört Neues."

Die Projekte waren am Anfang nur auf das Gebiet der DDR und den innerkirchlichen Raum begrenzt. Es wurde der ASZ untersagt, sich an öffentlichen oder kommunalen Projekten zu beteiligen. Auch eine Arbeit in den Mahn- und Gedenkstätten war nicht möglich. Bei den Gesprächen mit staatlichen Stellen wurde immer wieder gesagt, dass die Arbeit von Aktion Sühnezeichen in der DDR nicht nötig sei: Die DDR sei ein antifaschistischer Staat, und dieser antifaschistische Staat sei somit für die Folgen des deutschen Faschismus nicht haftbar zu machen.

Einsatz in den "sozialistischen Bruderländern"

In den Jahren 1965 und 1966 konnten Freiwilligengruppen in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Seelsorgeamt Magdeburg nach Auschwitz, Majdanek, Stutthof, Großrosen und Wroclaw fahren. In der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau legten sie die Fundamente der ehemaligen Gaskammern des Vernichtungslagers frei. Zur gleichen Zeit konnten auch zwei Gruppen in Lidice und Theresienstadt/Terezin arbeiten.

Für 1967 und 1968 lagen erneut mehrere offizielle Einladungen von Direktionen der Gedenkstätten in Polen und in der CSSR vor. Trotz dieser Einladungen verweigerte die Regierung der DDR die nötigen Ausreisevisa. Im Jahr 1972 wurde der visafreie Reiseverkehr zwischen der DDR und Polen sowie der CSSR eingeführt. Das stellte eine große Erleichterung für die Arbeit von ASZ besonders in Polen dar. Nun konnten die Jugendlichen ohne Formalitäten an den Sommerlagern in Polen teilnehmen. Umgekehrt konnten auch viele der polnischen und tschechoslowakischen Freunde an den Einsätzen in der DDR teilnehmen.

Obwohl auch in den siebziger Jahren die Position der Regierung gegenüber der ASZ unverändert blieb, arbeitete 1979 erstmals eine Gruppe in einer Gedenkstätte der DDR, und zwar in Buchenwald. Ein Jahr zuvor hatte auch die kontinuierliche Arbeit zur Pflege und zum Erhalt von jüdischen Friedhöfen begonnen. Auf diese Weise konnte nun ein Teil der Sommerlager außerhalb der kirchlichen Betätigungsfelder stattfinden. Ab 1981 wurde die Anzahl der Lager in diesen Arbeitsbereichen erweitert; so etwa in Buchenwald, Sachsenhausen, Ravensbrück und Nordhausen-Dora. Sühnezeichen-Gruppen waren ab dieser Zeit an der Erhaltung und Wiederherstellung von jüdischen Friedhöfen in fast allen Regionen der DDR beteiligt.

Von 1962 bis 1992 nahmen über 12 000 Freiwillige an Sommerlagern teil.

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