ASF-Jahrestagung 2017: »Courage«

Vom 25.-26. Mai 2017 fand in der Martin-Luther-Kirchengemeinde in Berlin-Neukölln die ASF-Jahrestagung unter dem Thema »Courage« statt. Im Vordergrund stand die Frage, wie die historischen Bewegungen des Widerstands im Nationalsozialismus in die Gegenwart hineinwirken und welche Rolle sie in der Erinnerungsarbeit spielen. Zudem beschäftigten sich die Teilnehmenden in Podien und Workshops mit aktuellen politischen Herausforderungen und unseren Handlungsspielräumen im In- und Ausland sowie der Bedeutung von Zivilcourage.

Zur Eröffnung der Tagung saßen wir am Donnerstagabend mit rund 150 Menschen gemütlich beisammen. Wir hörten Podcasts von aktuellen ASF-Freiwilligen aus der ganzen Welt. Sie erzählten, welche Bedeutung Courage für sie hat und was das mit ihrem Freiwilligendienst zu tun hat. In ihren Beiträgen unterhielten sich die Freiwilligen unter anderem auch mit Projektpartner*innen und Überlebenden. Daneben gab es auch Zeit für ein gemeinsames Abendessen mit anregenden Gesprächen. Musikalisch begleitet wurde der Abend von zwei ehemaligen Freiwilligen, die Widerstandslieder sangen.  

Am Samstag fand ein Worldcafé statt. Dabei tauschten sich die Teilnehmer*innen über verschiedene Begriffe aus, so wie Solidarität, Opposition, Utopie oder Erinnerung. Es wurde kontrovers diskutiert, wie und wo Courage gezeigt werden kann, was Europa bedeutet und wie und wann Solidarität hilfreich sein kann. Dabei wurde deutlich, dass zwar Einigkeit über das Ziel von Courage herrschte, doch die Begriffe nichtsdestotrotz sehr unterschiedlich besezt werden können. Während des World-Cafés fand die europaweite Schweigeminute für die Opfer der europäischen Außengrenzen statt, an der die Teilnehmenden der Tagung sich beteiligten. Somit sorgte auch das Thema Schweigeminute als Form der Erinnerung für Diskussionsstoff. Dazu sagte eine Teilnehmerin: "Manchmal bräuchte man statt einer Schweigeminute eher eine Schreiminute."- "Wer für die Verstorbenen im Mittelmeer trauert, handelt nicht unbedingt solidarisch mit den Lebenden", sagte ein anderer und spielte damit auf die Rolle europäischer Politiker*innen in der Flüchtlingskrise an. Dass die Reflexion des eigenen Handelns Voraussetzung für den Einsatz von (Zivil-)Courage ist.

Am Nachmittag gab es acht verschiedene Werkstätten, in denen weiter diskutiert und inhaltlich gearbeitet wurde. Es wurden unter anderem Initiativen aus Polen und Ungarn vorgestellt, die zu den aktuellen (europäischen) Debatten und Aktionen in ihren Ländern Stellung genommen haben. Aus Thessaloniki erzählte Solomon Parente, Sohn eines griechischen Auschwitz-Überlebenden, aus seinem Leben und von der schwierigen Erinnerung an die Schoa in Griechenland. Weitere Themen waren Widerstand, Rechtspopulismus, Feminismus und Unterstützung für Geflüchtete.

Die Ergebnisse der Jahrestagung wurden von Magdalena Wiegner in einem Graphic Recording zusammengefasst.

Mit einem Stadtrundgang von der Martin-Luther-Kirche zur Thomas-Kirche in Kreuzberg, in der ein politisches Nachtgebet stattfand, wurde die Jahrestagung abgeschlossen.

Übersicht Fotogalerie

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Deutscher Evangelischer Kirchentag

Unsere Tagung veranstalteten wir in diesem Jahr parallel zum Deutschen Evangelischen Kirchentag. Dort waren wir ebenfalls mit einem Stand und weiteren Veranstaltungen vertreten. Einen Rückblick finden Sie hier.

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Workshop mit Solomon Parente

Bei der Jahrestagung gab es einen Workshop mit dem griechischen Überlebenden Solomon Parente. Einen Bericht über diese Veranstaltung können Sie hier lesen.

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Dank

Ein großer Dank geht an die Martin-Luther-Gemeinde, die ihre Räume für unsere Veranstaltungen zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank für Ihre Gastfreundschaft!

Die Tagung war die Auftaktveranstaltung des Projekts „Unterdrückung und Widerstand. Chancen von Zivilgesellschaft in Geschichte und Gegenwart Europas“, das vom Programm Europa für Bürgerinnen und Bürger gefördert wird. Lesen Sie hier mehr.

Unterstützt von
Europa für Bürgerinnen und Bürger