In der Begegnung mit Menschen strahlt sie

Elisabeth Raiser war von April 2010 bis April 2015 die Vorsitzende von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. Nun trat sie wie angekündigt zurück. Das sind fünf Jahre Engagement, die wir an dieser Stelle würdigen und für die wir uns herzlich bedanken wollen.

2008 begegnete ich Elisabeth Raiser erstmals in Berlin anlässlich eines Vorbereitungstreffens für den Deutschen Evangelischen Kirchentag. Vor dem Hintergrund ihrer Familiengeschichte verwundert es nicht, dass ihr nicht nur die intellektuelle, sondern auch die nachhaltige Auseinandersetzung mit der deutschen Schuld eminent wichtig ist. So übernahm sie nach ihren Ämtern in Ökumene und Kirche 2010 den Vorsitz im Vorstand von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, von dem sie jetzt nach fünf Jahren zurücktritt.
Elisabeth Raisers Fähigkeit, anderen im Eigenen Raum zu geben, andere am eigenen Denken und Empfinden teilhaben zu lassen und auf sie zu hören. Das verbindende Dritte zu suchen, aber auch die Lust an der Differenz, am Streit, und wiederum der Ernst, wenn es um politische Stellungnahmen und Entscheidungen mit personellen Konsequenzen ging. Das alles war ein guter Nährboden für das Gelingen der Zusammenarbeit und die Entwicklung, die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste unter ihrer Ägide genommen hat. Ihre Wachheit, ihre Abneigung gegen ideologische Vereinfachungen, ihr Drängen auf Differenzierung und Klarheit, die friedensethische Fundierung ihres Aktionswillens, verbunden mit einer großen Freundlichkeit gegenüber anderen Menschen und einer weltläufigen Heiterkeit und Großzügigkeit – das habe ich in der Zusammenarbeit mit ihr im Vorstand außerordentlich geschätzt.
Dr. Friedrich-Wilhelm Lindemann, stellv. Vorstandsvorsitzender

Im Namen der Geschäftsstelle und meiner Kollegin Dagmar Pruin möchte ich die anerkennenden Worte für unsere Vorsitzende Elisabeth Raiser stützen. Seit ihrem Amtsantritt hat sie die Arbeit des Vereins in besonderer Weise mit geprägt. Mit großem Engagement setzte sie sich entschieden gegen Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus ein. In Dresden demonstrierte sie mit unseren friedlichen christlichen Blockade-Aktionen gegen die Naziaufmärsche. Mit feinem Gespür und großer Neugier suchte sie die Gespräche mit allen Beteiligten und spürte dabei immer auch Brüchen und Kontroversen nach. In Elisabeth Raisers Amtszeit fielen einige politische Krisen wie die kriegerische Auseinandersetzung in Israel und in der Ukraine sowie der zunehmende Antisemitismus in Deutschland. Ihre besonnene Art und ihre Suche nach einer differenzierten Position gaben uns in Krisen Halt. Elisabeth Raiser hat uns mit ihrer sonnigen Herzlichkeit, ihrer Begeisterung für internationale, politische und religiöse Fragen und ihrem entschiedenen Einsatz für die Ziele und Themen von ASF sehr bereichert. In der Begegnung mit Menschen strahlt sie. Wir danken ihr von Herzen für diese guten fünf Jahre.
Jutta Weduwen, Geschäftsführerin

Meine erste Begegnung mit Elisabeth Raiser war im Sommer 2010 in Jerusalem. Sie war anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der ASF-Israel-Arbeit im Land. Ich war gerade bei meinem Freund Jakob Hirsch zu Gast, als beide sich zum Kaffeekränzchen verabredeten. Elisabeth kam vor allem als Lernende, hörte zu und fragte, wollte verstehen – auch wenn sie schon oft im Land war. Ihre Offenheit und ihre Neugier zeichneten alle meine Begegnungen mit ihr aus. Räume zum Dialog, etwa bei einem Treffen zwischen deutschen Freiwilligen, die in Israel oder den palästinensischen Gebieten arbeiteten, wurden dadurch erst authentisch. Es gibt keine Zeit nach Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, das wissen wir ehemaligen Freiwilligen zu gut. Darum wünsche ich Dir, liebe Elisabeth, eine wunderbare Zeit als ehemalige Vorsitzende und uns viele Wiedersehen.
Lukas Welz ist Vorsitzender von AMCHA Deutschland e.V. Von 2005 bis 2006 war er Freiwilliger in Israel.

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