90. Jahre Franz von Hammerstein

Trauer um Franz von Hammerstein

Aktion Sühnezeichen Friedendienste trauert um langjährigen Generalsekretär Franz von Hammerstein (6. Juni 1921 – 15. August 2011)

„Franz von Hammerstein hat uns und viele andere über Generationen hinweg inspiriert und ermutigt, die Auseinandersetzung mit den Folgen des Nationalsozialismus kreativ, lebendig und international weiterzuführen.“

Franz von Hammerstein, Theologe, Mitgründer und Ehrenvorsitzender des Kuratoriums von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste starb in den frühen Morgenstunden des 15. August 2011 im Alter von 90 Jahren. Franz von Hammerstein gehörte über Jahrzehnte zu denjenigen evangelischen Theologen, die sich nach 1945 für eine intensive gesellschaftliche und innerkirchliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus einsetzten. Aus den persönlichen Erfahrungen seiner Familie und der eigenen Haft als „Sippenhäftling“ in den Konzentrationslagern Buchenwald, Regensburg und Dachau  – entstand von Hammersteins lebenslanges Engagement für den christlich-jüdischen Dialog und internationale Verständigung. Dafür wurde er im Jahr 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im Jahr 2003 erhielt er gemeinsam mit Günter Särchen und Richard Nevermann den Lothar-Kreyssig-Friedenspreis.

Bis ins hohe Alter hinein blieb Franz von Hammerstein seinem Engagement treu: Als Ehrenvorsitzender des Kuratoriums von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, deren Generalsekretär er von 1966-1975 war, als Vorsitzender der Stiftung West-Östliche Begegnungen und im Arbeitsausschuss der Stiftung „Topographie des Terrors“.

„Sein Mut, schon frühzeitig und gegen viele Widerstände die Mitverantwortung von Gesellschaft und Kirchen an den Verbrechen des Nationalsozialismus zu thematisieren und Konsequenzen zu fordern, haben Generationen ermutigt und vieles und viele bewegt,“ sagt Dr. Elisabeth Raiser, Vorsitzende von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. „Insbesondere sein Engagement für den christlich-jüdischen Dialog und internationale Verständigung über konfessionelle und weltanschauliche Grenzen hinweg sind uns bleibender Auftrag.“

„Wir sind dankbar für dieses Leben,“ sagt Dr. Christian Stafffa, ASF-Geschäftsführer. „Franz von Hammerstein hat uns und viele andere über Generationen hinweg inspiriert und ermutigt, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus kreativ, lebendig und international weiterzuführen.“

Biografischer Überblick

Als junger Mann im nationalsozialistischen Deutschland schloss Franz von Hammerstein eine Ausbildung zum Industriekaufmann ab und arbeitete bei Krupp. Sein Vater Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord trat 1934 aus Protest gegen die nationalsozialistischen Machthaber von seinem Posten als Generaloberst der Wehrmacht zurück. Seine Brüder Kunrat und Ludwig von Hammerstein-Equord waren an der Planung und Durchführung des gescheiterten Attentats vom 20. Juli 1944 beteiligt. Franz von Hammerstein wurde daraufhin im August 1944 verhaftet und als sog. „Sippenhäftling“ u.a. in den Konzentrationslagern Buchenwald, Regensburg und Dachau inhaftiert. Er wurde schließlich von US-amerikanischen Soldaten befreit. Von 1948 bis 1950 studierte Franz von Hammerstein evangelische Theologie an der Universität Göttingen, am Theological Seminary Chicago und an der Howard University in Washington D.C.. Das Examen und Vikariat absolvierte er 1954 in Deutschland. Er heiratete 1952 die Schweizer Theologin Verena Rordorf. Als Leiter der Evangelischen Industriejugend gehörte er zu den Unterstützern und Förderern der Gründung von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste 1958 durch den damaligen Präses Lothar Kreyssig. Von 1966 bis 1975 war von Hammerstein Generalsekretär von Aktion Sühnezeichen. Zwischen 1978 und 1986 arbeitete er als Direktor der Evangelischen Akademie in Berlin.

Weitere Informationen: Heike Kleffner, Öffentlichkeitsreferentin Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Tel: 030-28395203, kleffner@asf-ev.de .

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