Wir trauern um Avital Ben-Chorin

Avital Ben-Chorin ist während der Sukkot-Feiertage am Schabbatabend des 6. Oktober 2017 in Haifa gestorben. 1923 als Erika Fackenheim in Eisenach geboren wurde sie 94 Jahre alt.

Vor der deutschen judenfeindlichen Politik konnte sie 1936 im Rahmen der zionistischen Jugendalija nach Palästina / Eretz Israel fliehen - in einer Gruppe des Jüdischen Kinderheims „Ahawah“ (Auguststraße 14/16, Berlin-Mitte). 

Zusammen mit ihrem bereits 1999 verstorbenen Mann Schalom Ben-Chorin gehörte Avital zu den Menschen in Israel, die unmittelbar nach der Katastrophe der Schoa ihren verbliebenen Lebensmut zusammennahmen und Herzen und Haustüren für deutsche Besuchergruppen öffneten. Als 1961 die ersten deutschen Freiwilligen nach Israel kamen, diskutierte Sühnezeichenvater Lothar Kreyssig mit den beiden Ben-Chorins Ideen, Sühnezeichen könne in Jerusalem ein interreligiöses Haus oder eine Synagoge für die erste israelische Reformgemeinde bauen.

Aus beiden Plänen wurde nichts. Jedoch blieb Avital seit dieser Zeit unermüdlich in deutsch-israelischen und christlich-jüdischen Begegnungsinitiativen aktiv. Sie war Mitglied im israelischen Verein „Freunde von ASF“ und unterstützte die ASF-Arbeit mit Rat und Tat. Dazu gehörten auch kritische Fragen, vor allem zur in ihrer Sicht problematischen „Mischehe“, wie sie es nannte, zwischen Sühnezeichen und Friedensdiensten.

Mit grosser Trauer gedenken wir Avital Ben-Chorin, die zusammen mit ihrem Ehemann Schalom Ben-Chorin Pionierarbeit im deutsch-israelischen und jüdisch-christlichen Dialog geleistet hat. Jahrzehntelang hatte Aktion Sühnezeichen Friedensdienste das Glück, eng mit Avital zusammenarbeiten zu dürfen. Die Nachricht über ihren Tod hat uns sehr bestürzt. Das Team im Beit Ben-Yehuda, die Israel-Freiwilligen und Hauptamtlichen von ASF sind in Gedanken bei ihren Angehörigen und wünschen viel Kraft.

Wir duften ihr mehr als 50 Jahren lang begegnen. Heute müssen wir uns verabschieden. Avital, du wirst uns fehlen!