Wir trauern um Paul Cates

Paul Barker Cates ist am 21. Oktober 2018 in Vassalboro im US-Staat Maine im Kreis seiner Familie gestorben. Cates war Schriftsteller, Pädagoge, Blumenzüchter und nicht zuletzt »Friedenstreiber« (»Peacemonger«), wie ihn seine Schüler*innen liebevoll bezeichneten. Wir trauern um einen tiefgläubigen Menschen und einen unserer »unverlierbaren Gefährten der ersten Stunde«, wie Sühnezeichen-Gründer Lothar Kreyssig ihn einst nannte.

Paul Cates wurde in Vassalboro als achtes von zwölf Kindern geboren. In den Jahren 1948 und -49 verbrachte er acht Monate im Danbury Gefängnis in Connecticut, da er sich als überzeugter Pazifist und praktizierender Quäker dem Kriegsdienst verweigerte. In den 1950er und -60er Jahren reiste er immer wieder nach Deutschland, war in der Quäkerhilfe aktiv und lernte die Sprache und Kultur, insbesondere Bertolt Brechts Theater, kennen.

In den 1960er Jahren war er als Student und Fraternal Worker in Berlin aktiv für Aktion Sühnezeichen und in der Evangelischen Industriejugend, die zu der Zeit eng miteinander zusammenarbeiteten. Nach Errichtung der Berliner Mauer konnte er dank seines amerikanischen Reisepasses Briefe, Medikamente und Lebensmittel über die Grenze in das Ostberliner Büro von Aktion Sühnezeichen bringen. Er eröffnete außerdem Beziehungen zur sowjetischen Botschaft, um Möglichkeiten für Studienreisen und Freiwilligendienste für ASF und die Industriejugend zu überprüfen. 1962 organisierte er mit einer Jugendgruppe eine Touristenreise nach Moskau und Leningrad.

Sein Wirken war motiviert durch die Frage: Was kann ein kleiner Mensch tun, um die Beziehungen zwischen Ost- und Westdeutschen, zwischen Westalliierten und der Sowjetunion ein wenig zu verbessern? Die Antwort darauf und die Kraft, auch im Angesicht des Risikos, beim Grenzübergang entdeckt zu werden, gab ihm sein tief empfundener und gelebter Glaube. Als Quäker glaubte er daran, dass in jedem Menschen das Licht Gottes wohnt, Gott mit dem heutigen Menschen spricht und durch die Menschen in unserer Welt arbeitet. »Wir sind gerufen, Mitwirkende an dieser Schöpfung zu sein.«

Paul Cates bleibt uns in Erinnerung als Mensch, der sich mit ganzem Herzen und all seinem Handeln für den Frieden einsetzt. Wir sind dankbar für die gemeinsame Zeit und tieftraurig über die Nachricht von seinem Tod. Unsere Gedanken und Gebete gelten seinen Angehörigen.

Katharina Troppenz, Jahrgang 1989, war 2008/09 Freiwillige in Tel Aviv, Israel, und promoviert derzeit im Fach Kirchengeschichte (Evangelische Theologie) über die Anfänge von Aktion Sühnezeichen.

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