Wir trauern um Regine Schröer

Am 30. November 2018 starb Regine Schröer, langjährige Mitarbeiterin von Aktion Sühnezeichen, in Brüssel im Alter von 56 Jahren. Aktion Sühnezeichen Friedensdienste verliert mit Regine Schröer eine hoch geschätzte, ausgesprochen engagierte ehemalige Mitarbeiterin. Wir trauern um sie, unsere Gedanken und Gebete sind bei ihren Angehörigen, ihren Geschwistern, ihrem Partner und ihren beiden Söhnen.

Regine Schröer in ihrem Büro in Paris vergrößern

© ASF-Archiv

Regine Schröer in ihrem Büro in Paris.

Der Abschied von Regine Schröer ist und bleibt unfassbar traurig. Obwohl sie bereits vor 2 Jahren die Diagnose Lungenkrebs erhielt, sah ihre Prognose - trotz Metastasen - nicht schlecht aus. Und so kam ihr Tod eben unerwartet während eines Krankenhausaufenthaltes. 

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. hat Regine Schröer unendlich viel zu verdanken. Nicht nur bezogen auf die Länderarbeit in Frankreich und in der Wallonie, sondern auch für das Gesamt-Curriculum des Freiwilligenprogramms.

Regine Schröer übernahm 1991 die Leitung des Länderbüros des Comité d’ASF in Paris von Jörg Eschenauer, damals noch in der Rue Crémieux im 12. Arrondissement. Weder Freiwilligendienste noch Paris waren für sie Neuland: Sie hat selbst nach der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer diakonischen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen absolviert, im Anschluss ging sie als Au-pair-Mädchen für ein Jahr nach Paris, bevor sie dann Sozialpädagogik in Kaiserswerth studierte. Später war sie in Berlin in der Jugendarbeit tätig und begann mit einem Polititkstudium an der Freien Universität. Dies führte sie 1991 wieder nach Paris. Von der Uni wechselte sie dort zum Comité d’ASF.

Regine Schröer hat das Freiwilligenprogramm von ASF in Frankreich und der Wallonie maßgeblich geprägt und ausgebaut. Besonders war es ihr ein Anliegen, die Länderseminare bilateral mit gleichaltrigen französischen jungen Erwachsenen durchzuführen. Diese für ASF damals noch innovative und neue Ausrichtung des pädagogischen Begleitprogramms war möglich geworden durch eine intensive Kooperation mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk, das das Programm Ideel und finanziell förderte. Auch die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern pflegte Regine Schröer auf einem sehr hohen, ausgesprochen partnerschaftlichen Niveau. Unter ihrer Leitung baute das Länderbüro noch junge Projektpartnerschaften mit der Fondation Auschwitz in Brüssel aus und entwickelte neue, wie mit dem Memorial de la Shoah in Paris.  

Im Berliner Büro arbeitete sie zunächst eng mit Adelheid Scholten zusammen, dann mit Brigit Scheiger und später mit mir, Barbara Kettnaker. Eine stets sehr konstruktive Zusammenarbeit! Darüber hinaus verband sie mit ihrer ASF-Kollegin in den Niederlanden, Angelika Münz, eine qualitativ anspruchsvolle Kooperation.

1997/98 legte sie ein Sabbatjahr ein, um ihre Master-Dissertation in Maastricht zu schreiben. Auch hier ließ sie das Freiwilligenthema nicht los: Sie verglich die Pilotaktionsergebnisse des Europäischen Freiwilligendienstes in Deutschland, Frankreich und in den Niederlanden. In dieser Zeit vertrat Marcus Keller sie als Länderbeauftragter in Paris. Er konnte sogar ihr charmantes Appartement bewohnen, da Regine Schröer in dieser Zeit zu ihrem Partner Daniel Weyssow zog, einem Mitarbeiter der Fondation Auschwitz. 

Voller Elan und hoch motiviert kehrte sie nach ihrer Auszeit zu ASF Paris zurück, engagierte sich gemeinsam mit der Koordinatorin des Freiwilligenprogramms im Berliner Büro Andrea Koch für die Bilateralisierung der gesamten Länderseminare bei ASF, initiierte mit ihr das erste trilaterale Programm von ASF in Großbritannien. Zudem entwickelten sie ein Gesamt-Curriculum der Freiwilligendienste. Dieser Schub hat das pädagogische Programm von ASF enorm bereichert und voran gebracht. Aber Regine Schröer war das nicht genug: 2005 evaluierte sie das pädagogische Begleitprogramm von ASF in Frankreich und Großbritannien und veröffentlichte ihre Ergebnisse in der Broschüre „Erinnerungen, Identitäten und Engagement. Interkulturelle Erfahrungen junger Erwachsener in bi- und trilateralen Freiwilligendienstprogrammen der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Frankreich und Großbritannien“, die von ASF mit Unterstützung des Bundesprogramms XENOS herausgegeben wurde. 

Regine Schröer beendete ihre Tätigkeit als Landesbeauftragte in Paris 2000 auf eigenen Wunsch, auch um ganz nach Brüssel zu ziehen. Dort war sie zunächst in der Geschäftsstelle der Association of Voluntary Service Organisations (AVSO), im gleichen Haus wie später das ASF-Büro. Danach arbeitete sie beim Verein zur Förderung kultureller und beruflicher Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen e.V. (BBJ) in deren Brüsseler Zweigstelle. Nach deren Auflösung wechselte sie zur Dependance der Friedrich-Ebert-Stiftung in Brüssel. 

Auch nach ihrer aktiven Zeit als Landesbeauftragte von ASF blieb sie uns eng verbunden, nicht nur durch die erwähnte Evaluierung, sie hat sich immer wieder beratend zur Verfügung gestellt, wenn es um die Einarbeitung und Begleitung neuer Kolleg*innen in den Landesbüros in Paris und später in Brüssel ging oder um Impulse zur Entwicklung der ASF Länderarbeit zu geben.

Im Mai 2018 besuchte sie noch die Jubiläumsveranstaltungen zu 60 Jahre ASF in Berlin, traf sich mit vielen ehemaligen Weggefährt*innen und Kolleg*innen. Ihre Krebsdiagnose hat sie und mich wieder enger zusammenrücken lassen, der Austausch mit ihr darüber und vieles mehr hat mir enorm viel bedeutet und ich werde sie zutiefst vermissen.

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste verliert mit Regine Schröer eine hoch geschätzte, ausgesprochen engagierte ehemalige Mitarbeiterin. Wir trauern um sie, unsere Gedanken und Gebete sind bei ihren Angehörigen, ihren Geschwistern, ihrem Partner und ihren beiden Söhnen.

Barbara Kettnaker, seit 1997 Freiwilligenreferentin für Frankreich, Norwegen, Russland, Belarus und Ukraine bei Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V., zurzeit in Erwerbsminderungsrente.

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