Couragiert für Versöhnung und Menschenrechte

Wir haben eine langjährige Freundin und Weggefährtin verloren. Im Alter von nur 53 Jahren verstarb Sabine Wolff, die sich Zeit ihres Lebens für Frieden und Versöhnung eingesetzt hatte.

In den 80er Jahren begann sie, sich politisch zu engagieren, und hat das bis zum Ende ihres Lebens mit Klarheit, Konsequenz und Mut fortgesetzt.

In der DDR-Friedenbewegung hinterfragte sie die Logik der Abschreckung durch Hochrüstung und schloss sich den “Frauen für den Frieden” an, um eine geplante Wehrpflicht für Frauen zu verhindern. Bei Aktion Sühnezeichen/DDR übernahm sie Verantwortung in Sommerlagern und im Leitungskreis. Besonders wichtig waren ihr dabei die Gedenkwege auf den Spuren der Todesmärsche von Häftlingen der Konzentrationslager, die sich mit der DDR-Geschichtspolitik und dem Verhalten der breiten Bevölkerung in der NS-Zeit kritisch auseinander setzten. So sind wir 1984 von Buchenwald durch die Dörfer bis zur Grenze zwischen Thüringen und Bayern gelaufen, im Sommer 1989 in einer gesamtdeutschen Gruppe von Buchenwald bis Dachau. Ihren kleinen Sohn musste sie an der Grenze als “Rückkehrgarantie” zurück lassen.

Die Staatssicherheit verfolgte sie im Rahmen des Operativen Vorgangs “Wespen”, zeitweise hatte sie Ausreiseverbot in die osteuropäischen Länder, ließ sich aber von ihrem Weg nicht abbringen.

In den Tagen und Wochen der politischen Wende warb sie im Neuen Forum und an den Runden Tischen für eine demokratische Umgestaltung der DDR und war als Politikwissenschaftlerin bis zu ihrem Tod in der Fraktion Mitbürger für Halle/Neues Forum  in der Kommunalpolitik aktiv, viele Jahre u.a. im Finanzausschuss der Stadt. Eine ihrer letzten parlamentarischen Initiativen galt dem Deutschunterricht von Flüchtlingen.

Sie ist zu früh gegangen. Noch vor wenigen Monaten ist auf einem Bausoldaten-Kongress in Wittenberg gemeinsam mit ihr die Idee zu einem gesamtdeutschen Buchprojekt der “Frauen für den Frieden” entstanden.

Wir verlieren mit ihr eine mutige Streiterin für Demokratie und Menschenrechte – für diejenigen, die ihre Stimme nicht selbst erheben können. Und wir verlieren eine Freundin, die zuhören und Rat geben konnte. Wir vermissen sie sehr. Unsere Gedanken sind bei ihren Schwestern und ihrem Sohn Ismael.

Im Namen ihrer Freundinnen und Freunde

Dörthe Beyer
Ulrike Offenberg
Stephan Bickhardt
Sabine Erdmann-Kutnevic

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