Die Ziele der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste

Die Ziele von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste sind sehr konkret: die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in die Gesellschaft zu tragen und dabei international sichtbare Zeichen zu setzen, damit aus Worten sichtbare Taten werden.

Engagement

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste engagiert sich für ein friedliches Miteinander in der Welt, macht sich für die Schwachen in der Gesellschaft stark und trägt zu einer menschlichen Zukunft bei. ASF-Freiwillige unterstützen Überlebende von nationalsozialistischen Konzentrationslagern und Zwangsarbeit, sie begleiten psychisch Kranke, Obdachlose, Flüchtlingen oder Menschen mit Behinderungen. In Stadtteilprojekten, Gedenkstätten und Antirassismusinitiativen sind sie vor Ort aktiv und erhalten geschichtliche Lernorte für die Zukunft.

Die Erfahrungen der lang-, mittel- und kurzfristigen Friedensdienste sind prägende Erlebnisse: Die Freiwilligen und Aktiven von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste werden zu Botschaftern für eine menschlichere Welt.

Verantwortung

Die Fragen, die der Nationalsozialismus aufwirft, rütteln an den Grundfesten menschlicher Zivilisation: Wie konnte es zur Ermordung von Millionen Menschen kommen? Wieso wurden liebevolle Väter zu kaltblütigen Mördern? Weshalb haben sich nur so wenige der Judenvernichtung in den Weg gestellt? Und natürlich geht es auch um die Frage: Was hat das alles mit uns zu tun, welchen Einfluss hat die NS-Geschichte auf die Nachgeborenen und die heutige Gesellschaft?

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste will junge Menschen ermutigen, sich nicht mit vorgefertigten Antworten zufrieden zu geben, sondern sich selbst auf die Suche nach Antworten zu machen. Oft führt diese Suche zum Engagement für Verständigung, Akzeptanz und Gerechtigkeit.

Begegnung

Begegnungen über Grenzen hinweg stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. Begegnungen sind spannende Prozesse, in denen es neben viel Neuem und Spaß auch Unsicherheiten und Konflikte geben kann. Neue Welten tun sich auf, zugleich aber auch unerwartete Grenzen. Oft sind es kaum wahrnehmbare Unterschiede, die in Konfliktsituationen zu unüberwindbaren Barrieren werden.

Der Wunsch, einander näher zu kommen, schließt die Notwendigkeit ein, Grenzen wahrzunehmen und Unterschiede auszuhalten. Begegnungen können gelingen, wenn sich die Beteiligten in Frage stellen und sich auf neue Vorstellungen von der Welt und von sich selbst einlassen. Wenn sie zu einem Perspektivwechsel bereit sind und versuchen, die Welt auch mit den Augen der anderen zu sehen, ohne sich dabei selbst zu verleugnen.

Was Menschen ausmacht, verbindet und unterscheidet, ist weit mehr als ihre Nationalität, Herkunft oder ethnische Zugehörigkeit. Dies auch im Hinblick auf sich selbst herauszufinden, ist ein großes Abenteuer, zu dem die Freiwilligendienste der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste einladen.

Erinnerungen

Erinnerungen prägen Gegenwart. Ob gute oder schlechte Erfahrungen, sie schreiben sich ein in unser Fühlen, Denken oder Handeln– oft ohne, dass wir es merken.

Ähnliches gilt für Gesellschaften. Auch hier ist unsere Geschichte immer ein Teil unserer Gegenwart. Dieses Verständnis von Geschichte und Gegenwart als ein Ineinander findet sich bereits in der Bibel. Vergangene Befreiungserfahrungen – wie die Befreiung aus der Sklaverei – schreiben sich in das Hier und Heute ein.

Das gilt auch für Negativerfahrungen, die auf unterschiedliche Weise das Denken und Handeln beeinflussen. Der Nationalsozialismus, die deutsche Besatzung und der Krieg haben sich in den vielen Ländern in das kollektive Gedächtnis eingeprägt. Bei ASF versuchen wir, die eigenen und die kollektiven Erinnerungen und ihre Wirkungen bewusst zu machen und zu besprechen. So wird Verschiedenheit nicht verschwiegen und Gemeinsames ermöglicht.

Versöhnung

Wenn wir den Begriff Versöhnung hören, denken wir meist an zwischenmenschliche Konflikte. Dass auch historische Schuld Versöhnung erfordert, wird uns in der Begegnung mit Menschen deutlich, die unter dem Nationalsozialismus gelitten haben. Für viele Überlebende der Schoa ist das Zusammentreffen mit Freiwilligen von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste auch heute noch die erste Begegnung mit Deutschen seit dem Krieg. Ihr Leiden an den Wunden der Vergangenheit lässt die Notwendigkeit von Versöhnung spürbar werden. Durch Anerkennung von historischer Schuld sowie durch konkrete, handgreifliche Taten kann ein Prozess der Versöhnung in Gang kommen.

In Versöhnung steckt das theologisch bedeutsame Wort Sühne. Nach biblischem Verständnis zielt die Sühne auf die Heilung zerstörter Lebensverhältnisse, nicht auf die Wiedergutmachung des angerichteten Schadens. Denn das Leiden jeglicher Opfer von Gewalt und Ungerechtigkeit kann nicht aufgewogen werden. Die Sühne soll nicht dazu dienen, ein gutes Gewissen zu schaffen. Aber Sühne kann der Hilflosigkeit aus ihrem Gefängnis helfen und der erste Schritt in Richtung einer besseren Zukunft sein.

Frieden

Der lange Weg zu einem gerechten und umfassenden Frieden führt über die Veränderung der einzelnen Menschen und der Gesellschaft. Für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste ist Frieden mehr, als die Abwesenheit von Krieg, er wird möglich, wenn die und der Einzelne die “Anderen“ und sich selbst neu sehen lernen.

Frieden gestalten meint nicht, sich mit ungerechten Verhältnissen oder menschenverachtenden Ideologien abzufinden, sondern sich für eine Welt einzusetzen, in der allen die gleichen Rechte zugestanden werden. Solch eine Welt ist alles andere als konfliktfrei. Aber ein friedvoller Umgang mit Konflikten setzt voraus, andere Meinungen zuzulassen und mit Widersprüchen umgehen zu lernen. Und er braucht eine Orientierung an der Unteilbarkeit der Menschenrechte.

ASF will zu einem gesellschaftlichen Klima beitragen, das Raum lässt für Vielfalt – von Werten, Meinungen, Eigenheiten, Weltanschauungen und Lebensformen. Die Arbeit von ASF-Freiwilligen ist gleichzeitig Übungsfelder und Ernstfall für die Entwicklung von Friedensfähigkeit.

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